Marktpolitik

Schulerfolg je nach Wohnort

 

Die Bildungschancen in Bayern klaffen von Region zu Region weit auseinander. Doch es gäbe eine Lösung für dieses Problem.

Ludwig Haas war Konrektor an der Realschule am Judenstein und langjähriger Lehrer im Auslandsschuldienst.

Ludwig Haas war Konrektor an der Realschule am Judenstein und langjähriger Lehrer im Auslandsschuldienst.

Wer Eltern mit ausreichend Geld und selbst genügend Hirn hat und in der richtigen Region mit dem entsprechenden Schulangebot wohnt, dem geht es gut im dreigliedrigen bayerischen Schulsystem. So jedenfalls das Resümee der Chancenspiegel-Studie der Bertelsmann Stiftung. Für den Rest sind die Bildungschancen doch recht eingeengt.

Das zeigen die Quoten der Jugendlichen ohne Schulabschluss, wobei es bayernweit 4,9 Prozent sind, regional dieser Anteil zwischen 0,7 und 12,3 Prozent schwankt. Auch beim Übertritt an die Gymnasien treten enorme regionale Unterschiede auf, in der Oberpfalz von der Stadt Regensburg mit 54,4 Prozent bis Tirschenreuth mit 16 Prozent. Große Unterschiede lassen sich daher auch bei den Abiturientenquoten zwischen den Regionen der Oberpfalz feststellen. Schulangebote und Schulstandorte beeinflussen somit den Schulerfolg der Schüler. Ist kein entsprechendes schulisches Angebot vorhanden, werden Standorte wie bei Mittelschulen geschlossen, werden den Schülern zu schlechte Rahmenbedingungen – wie lange Fahrzeiten – zugemutet, kann der Schüler sein wahres Potenzial oft nicht ausschöpfen. Er gibt sich deshalb mit dem geringwertigeren Abschluss zufrieden. Warum man in Bayern etwa Gemeinschaftsschulen wie in den anderen EU-Ländern oder Bundesländern nicht zulässt, um z. B. den mittleren Abschluss vor Ort zu ermöglichen und somit die regionalen Standortbedingungen zu verbessern, zeigt, wie verbohrt und beratungsresistent sich die CSU in dieser Frage verhält.

Erfreulich ist zwar, dass der Abiturientenanteil bayernweit überall ansteigt, aber zwischen Studienberechtigung und Studienbefähigung besteht wohl ein Unterschied. Denn die hohen Quoten der Studienabbrecher reichen von 24 Prozent in Rechtswissenschaften bis zu 53 Prozent in Maschinenbau oder Elektrotechnik. Das Abitur hat wohl sehr an Qualität eingebüßt, obwohl jedes Jahr einer neuer „bester Abi-Jahrgang“ verabschiedet wird.

Geringe Fortschritte stellt der „Chancenspiegel“ beim Ganztagsschulangebot fest. In der BRD besuchen 32,3 Prozent der Schüler eine Ganztagsschule, in Bayern lediglich 14,4 Prozent, in den ländlichen Regionen bedeutend weniger. Die Nachfrage der Eltern nach Ganztagsplätzen liegt aber bei über 70 Prozent. Genau diese gebundene Ganztagsschule bietet gute pädagogische Konzepte für die optimale individuelle Förderung aller Schüler. Unverständlich für Europäer, warum es eigentlich die Wahl zwischen Halbtags-und Ganztagsschule gibt? Bedeutet es, dass Schüler mit nichtarbeitenden Müttern und genügend Geld für Nachhilfe, mittags nach Hause gehen , die „Problemschüler“ aber nachmittags in der Schule bleiben müssen? Will man so den bildungsnahen Schichten und dem traditionellen Familien- und Mutterbild der CSU entgegenkommen?